Ärzte Zeitung online, 20.02.2017

Schlaganfall

Schärfere Vorgaben für Kliniken

Baden-Württemberg setzt präzise Standards: Schlaganfall-Patienten sollen nur noch in zertifizierten Kliniken behandelt werden.

Von Florian Staeck

STUTTGART. Baden-Württemberg schärft die Kriterien für die Schlaganfallversorgung nach. Mit der neuen Schlagfanfallkonzeption, die zum 1. Februar in Kraft getreten ist, wird der Krankenhausplan aus dem Jahr 2010 fortgeschrieben. Die 21 lokalen Schlaganfallstationen im Südwesten müssen künftig zwingend eine Thrombolyse erbringen können – das war bisher nicht vorgesehen.

Neben den lokalen Stroke Units sind im Bundesland 14 sogenannte regionale sowie elf überregionale Schlaganfalleinheiten vorgesehen. "Ausnahmslos" sollen Patienten mit Verdacht auf akuten Schlaganfall nur noch in die nächstgelegene zertifizierte Stroke Unit eingewiesen werden. Generell gilt, dass zwischen dem Eingang des Notrufs und dem Beginn der Therapie nicht mehr als 90 Minuten vergehen sollen.

Alle Kliniken mit Schlaganfalleinheit müssen rund um die Uhr eine allgemeine Notfallversorgung sicherstellen und laut Fachplan "jederzeit in der Lage sein, kompetente CT-Untersuchungen innerhalb von 30 Minuten ausführen zu können". Vorgeschrieben wird weiterhin, dass jeder Schlaganfallpatient umgehend von einem Facharzt für Neurologie untersucht werden muss. Alternativ kann dies auch telemedizinisch geschehen.

Mehr Patienten binnen zwei Stunden

Überregionale Stroke Units müssen mindestens sechs Monitorbetten vorhalten, bei den beiden anderen Versorgungsstufen sind es vier Betten. Anders als die regionalen Einheiten müssen lokale Stroke Units nicht notwendig ein MRT vorhalten. Auch die Verfügbarkeit eines transkraniellen Ultraschalls wird nicht vorgeschrieben. Alle Schlaganfalleinheiten im Südwesten sollen den Anschluss an das bestehende Teleradiologienetz "anstreben", heißt es im Schlaganfallkonzept.

Eine Übergangsregelung sieht vor, dass Stroke Units auf der lokalen Stufe, die die neuen Vorgaben nicht erfüllen, einmalig eine Übergangsfrist von zehn Monaten erhalten sollen, um apparativ oder personell nachzurüsten. Die Landesregierung trage mit der neuen Konzeption "neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten bei der Schlaganfallbehandlung Rechnung", sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). Baden-Württemberg ist nach seinen Angaben das einzige Bundesland, das eine dreistufige Versorgungsstruktur bei Schlaganfall vorhält.

Nach Darstellung der Techniker Kasse zahlt sich dies aus: Die Zahl der Patienten, die binnen zwei Stunden nach dem Notruf in der Klinik versorgt wurden, sei 2015 im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 9700 gestiegen. Luft nach oben sieht die Kasse bei der Nutzung der Telemedizin. Nur 556 Telekonsile habe es 2015 bei Schlaganfallpatienten im Südwesten gegeben. In Bayern seien es pro Jahr rund 4000, so die TK.

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